• Franziska Blickle

Wie entsteht ein Trainingskonzept? - Arbeitsbeispiel (2)

Die Lernziele sind formuliert. Und jetzt? - Das unzensierte Arbeitsbeispiel eines etwas komplexeren und darum besonders interessanten Falls.

Wie wird aus den Anforderungen und Lernzielen meiner Kunden ein konkretes Trainingskonzept? Wie detailliert plane ich die Trainingstage? Wie bereite ich die unterschiedlichen Themen und Methoden vor?


Diese und hoffentlich ein paar weitere Fragen beantworte ich in diesem zweiten Teil einer kleinen Serie.

In einem konkreten und realen Arbeitsbeispiel beschreibe ich euch mein Vorgehen von der Anfrage bis zur Trainings-Evaluation in drei Teilen:

Nachdem wir in zwei virtuellen Workshops mit der Geschäftsführung,

HR und einem Großteil der Führungskräfte die konkreten Lernziele und Anforderungen an das WIE des Trainings festgelegt haben,

liegt der Ball bei mir.

Ich habe ein MURAL Board mit unzähligen Zettelchen, außerdem meine Notizen auf denen ich während des Workshops mitgeschrieben habe, welche Ideen und Gedanken mir spontan kommen.


Mein nächster Schritt ist, die Ausgangssituation mit diesem zusätzlichen Wissen nochmal ausführlich zu formulieren. Danach nehme ich die Priorisierung der Lernziele und Themen unter die Lupe:

  • Welche Themen sind über alle drei Ebenen (Geschäftsführung, Heads und Teamleads) im Fokus und wie können wir das so im Training unterbringen, dass auch über die Ebene weg ein gemeinsames Verständnis entsteht?

  • Welche Themen sind nur bei einzelnen Ebenen im Fokus? Welches Bedürfnis steht dahinter?

  • Was kann ich erstmal außen vor lassen?

Über mehrere Tage verteilt brüte ich über den verschiedenen Infos. Ich fasse zusammen, bilde Cluster, sortiere…

Wenn ich hinterher durch die Präsentation klicke, frage ich mich immer, was an den paar Folien so lange gedauert hat. Aber es ich nicht aufwendig, ETWAS zu Papier zu bringen, sondern DAS RICHTIGE!

✔︎ Ich habe jetzt einen wirklich klaren Blick auf die Rahmenbedingungen und die Ausgangssituation des Trainingswunsches.


✔︎ Ich habe klar vor Augen, welche konkreten Lernziele die Trainingsreihe über alle Ebenen erreichen soll und WIE sich die beteiligten ein hilfreiches und nachhaltiges Training vorstellen.


✔︎ Ich habe Klarheit, welche der drei Führungsebenen Ebenen, welche Themen intensiv behandeln und welche eher am Rand streifen möchte.

✔︎ Ich habe einen roten Faden, der für alle Ebenen funktioniert und werde die Trainings immer nach dem gleichen Schema, nämlich „sich selbst führen, einzelne führen, viele führen“ aufbauen.

✔︎ Ich habe für jede Ebene einen groben Ablauf für die drei Tage im Kopf.

Scheinbar habe ich meine Hausaufgaben gemacht, denn mein Vorschlag kommt ohne Änderungswünsche zurück und das ist für mich das Signal in die Feinplanung zu starten.

Was heißt Feinplanung genau? Feinplanung heißt, dass ich mich jetzt damit beschäftige, welche Modelle oder Konzepte ich für die einzelnen Themen geeignet finde.


Ist zum Beispiel ein anderer Umgang mit Delegation Trainingsziel, gibt es ja eine Vielzahl von Herangehensweisen, Modellen und Fragestellungen, mit denen man sich dem Thema nähern kann. Mein Job ist auch zu wissen, welche gut zum Unternehmen, der Erfahrung der Führungskräfte und der Unternehmenskultur passt. Soll es eher darum gehen ein Bewusstsein dafür zu schaffen, dass "Aufgaben delegieren" und "Verantwortung delegieren" unterschiedliche Dinge sind, ist das Gespräch für die Delegation eines neuen Themas relevant oder müssen wir vielleicht erstmal dafür Sorgen, dass die Führungskräfte überhaupt bereit sind zu delegieren und damit Kontrolle abzugeben.


Neben den Modellen und Konzepten beschäftige ich mich mit Methoden:

  • Kenne ich Übungen oder Experimente, die geeignet sind um als Einstieg in das Thema zu dienen?

  • Wie flechte ich Inputs, Gruppenübungen und Reflexion so ineinander, dass es sich gut und stimmig anfühlt?

  • Wie wird es abwechslungsreich und macht Spaß?

Bei diesen Überlegungen spielt z.B. die Leistungskurve ein Rolle, die die meisten von uns über den Tag zeigen, aber auch mein Bauchgefühl.


In meiner Trainerausbildung sagte meine damalige Ausbilderin und jetzt Kollegin Angela Zinser auf die Frage, wie sie da vorgeht:

„Ich versuche das wie ein Drehbuch zu sehen. Ich frage mich, was am Anfang wohl als Einstieg gut ankommt, wann es einen Überraschungseffekt braucht und wann einen Moment der Achtsamkeit und Stille, damit es vielseitig wird.“


Am Anfang fiel mir das schwer und ich habe mich nach einem Patentrezept gesehnt. Mittlerweile höre ich oft auf meinen Bauch oder baue Methoden-Sequenzen, die in einem Training gutes Feedback bekommen haben, in einem anderen ähnlich wieder ein.

Aus Mindmaps, in denen ich Modelle, Konzepte, Methoden und Übungen sammle. entsteht ein erster grober Ablauf.

Hier bin ich immer noch handschriftlich unterwegs, auch wenn ich von Papier inzwischen auf mein Tablet umgestiegen bin.


Bis alles im Trainerleitfaden landet, dauert es etwas. Zu diesem Zeitpunkt ist es in meinem Kopf normalerweise schon so fertig, dass ich es einfach runter schreiben muss. Am Ende ist der Trainerleitfaden eine mehrere Seiten lange Tabelle, die mich durch den Trainingstag führen wird. Der wichtigste Teil der Vorbereitung, die Kopfarbeit, ist jetzt erledigt.

Und was fehlt jetzt noch? Welche finalen Handgriffe erledige ich kurz vor oder am Trainingstag? Wie läuft das Training ab und was kommt danach noch?

Antworten auf diese Fragen gibts im dritten und letzten Artikel dazu.


But first...coffee :)

PS: Was genau ein Trainerleitfaden ist beschreibe ich übrigens hier.


FRANZISKA BLICKLE

Trainerin für Kommunikation, Leadership und Selbstmanagement,

in Berlin daheim und europaweit unterwegs

Datenschutz  |  Impressum  |  Kontakt  |  Blog

© Franziska Blickle 2020