• Franziska Blickle

Was ist der Unterschied zwischen Coach und Trainer?

Oft werden Coaching und Training und somit Coach und Trainer gleichgesetzt. Das wurde mir klar, als ich mich vor etwas über zwei Jahren entschieden habe, Trainerin zu werden.


Trainerin und nicht Coach!


Für mich war das vor allem damals ein riesiger Unterschied. Trainer*innen waren für mich die mit den Flipcharts in coolen Workshopräumen. Coaches waren für mich die mit der Couch, dem Notizblock und der Taschentücherbox.


In der zweiten Rolle konnte ich mich überhaupt nicht sehen - damals! Mein Wissen über und meine Einstellung zu Coaches hat sich seitdem grundlegend geändert. Und - ja! - mittlerweile coache ich auch, aber eines nach dem anderen…


Viele Fragen aus meinem Umfeld ergaben für mich keinen Sinn.


Für mein Umfeld schien kein großer Unterschied zwischen den Begriffen und den Rollen zu bestehen. Immer wieder hörte ich von Freunden, Kollegen und Familie Fragen, die ich gar nicht greifen konnte.


“Welche Ausbildung wirst Du machen? - Das überlege ich mir noch. - Aber du kannst doch nicht ohne Ausbildung im Leben anderer Leute herumpfuschen? - Äh, hab ich nicht vor, wenn ich Präsentationstrainings etc. gebe.”


Nach und nach wurde mir klar, dass viele die Begriffe Coaching und Training bzw. Coach und Trainer vollkommen synonym benutzen.

Als ich mir vor lauter Fragen und Missverständnissen selbst nicht mehr sicher war, ob ich überhaupt die “richtige” Unterscheidung mache und die richtigen Definitionen im Kopf habe, fing ich an zu recherchieren.


Wie ist die Definition von "Coach" und "Trainer" im Wörterbuch?


Erstmal wollte ich mich an die Fakten halten und habe den Duden befragt, was die Wörter bedeuten:


Training = planmäßige Durchführung eines Programms von vielfältigen Übungen zur Ausbildung von Können, Stärkung der Kondition und Steigerung der Leistungsfähigkeit


Coaching = das Coachen

Danke Duden, das war nicht so hilfreich. Vielleicht eher über die Rolle:


Trainer*in = jemand, der besonders Sportler/-innen trainiert


Coach

= jemand, der Sportler oder eine Sportmannschaft, auch Manager, Künstler u. a. trainiert, betreut

= jemand, der [anhand von wissenschaftlich begründeten Methoden] einen Klienten berät und betreut, um dessen berufliches Potenzial zu fördern und weiterzuentwickeln


Schon etwas besser, aber so ganz klar war mir das im Kontext der Weiterbildung immer noch nicht. Vor allem wenn der Coach auch trainiert. Was denn jetzt?


Beide Begriffe haben einen sportlichen Hintergrund.


Coaching und Training werden im Deutschen vor allem darum oft verwechselt oder Synonym gebraucht weil beide Begriffe aus dem sportlichen Bereich kommen. Was wir Trainer nennen (z.B. Fußballtrainer) ist im Englischen Sprachgebrauch meist ein Coach.

Ich habe viel gegoogelt, gelesen, gehört, mit anderen Coaches und Trainern gesprochen bis ich für mich so richtig klar hatte, was nun was ist und was ich sein kann und will.

Den Prozess spule ich für euch jetzt vor und teile meine aktuelle persönliche Auffassung.


Das ist meine persönliche aktuelle Definition von Trainer und Coach.


Für mich ist ein Trainer eine Person, die in strukturierter und planvoller Weise Wissen (Modelle, Methoden, erprobte Verhaltensweisen) an Einzelne oder eine Gruppe weitergibt. Dieses Wissen kann unter Anleitung verinnerlicht und geübt werden.


Ein Coach ist für mich eine Person, die einen Einzelnen oder einer Gruppe durch das Strukturieren und Moderieren der Denk- und Problemlösungsprozesse bei der Lösung eines Problems unterstützt.


Ich bin coachende Trainerin.


Inzwischen fällt es mir leicht, neuen Kontakten in wenigen Sätzen zu erklären, was genau ich tue und wo mein Fokus liegt. Dabei ist diese Erklärung nicht unkomplizierter geworden seit meinen Anfängen vor zwei Jahren.


Ich habe in dieser Zeit zwei Trainerausbildungen und eine Coaching-Ausbildung gemacht.

Ich unterscheide nicht mehr, ob eine Person Coach oder Trainer ist, sondern weiß, dass das Rollen sind, die mal mehr und mal weniger zum Einsatz kommen.

Ich habe in meinen Trainings immer beide dabei und das ergänzt sich sehr gut.

Ich pflege in meinen Trainings eine coachende Haltung.


Was bedeutet coachende Haltung?


Es geht mir weniger darum, was ich weiß und was die Teilnehmer*innen von mir lernen können sondern darum, was die Teilnehmer*innen schon wissen.

Es geht darum, wie sie es neu denken und anders anwenden können.

Es geht darum, sie erkennen zu lassen, dass sie bereits Experten für ihre Herausforderungen sind.


Vor allem jungen Führungskräften hilft es oft wenn wir zusätzlich zu den Trainingstagen noch Zeiträume schaffen, in denen wir zu zweit, also 1:1, an ihren individuellen Herausforderungen und Fragestellungen arbeiten. Dazu nutzen wir meist einen virtuellen Raum bei Zoom oder Skype.


Ups! Bin ich jetzt doch Coach?


Im Training bin ich, wann immer nötig, neben Trainerin noch vieles mehr: Moderatorin, Expertin, Beraterin, Führungskraft - und eben Coach! Je mehr ich von Coaching verstehe, desto wohler fühle ich mich mit der Rolle. Es ist nur eine von vielen.

Franziska Blickle: 

Trainerin für Kommunikation, Leadership und Selbstmanagement, in Berlin daheim und europaweit unterwegs

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