Workshop-Mythos debunked: Warum Du nicht ständig Neues liefern musst, um zu begeistern
- Franziska Blickle

- vor 4 Stunden
- 4 Min. Lesezeit
Ich sammle Glaubenssätze, Mythen und Mindfucks zum Thema Workshop wie Briefmarken.
Besonders freuen mich Exemplare, die ich das erste Mal bei mir entdeckt und erlebt (und mittlerweile hoffentlich entlarvt und entzaubert) habe.
Einer meiner schönsten in der Sammlung ist der hier:
“Wenn meine Teilnehmenden nichts Neues lernen, ist mein Workshop wertlos.”
Den kenn ich so gut. Der hat mich lange herausgefordert und gequält. Früher dachte ich, ohne supercoole, neue, bahnbrechende Inhalte wäre mein Workshop ein Flop. 🫠 Verschwendung von Lebenszeit. (Und Du weißt hoffentlich schon, wie ich über Lebenszeitverschwendung denke...)
Ich habe diesen Glaubenssatz vor allem dadurch aufgelöst, indem ich mir vor Augen geführt habe, wie ich das Thema selber aus der Teilnehmer:innen-Perspektive wahrnehme.
So oft schon, hat mir genau das, was ich zum wiederholten Mal gehört habe geholfen. In einen anderen Kontext gesetzt, mit anderen Fragen verbunden, mit anderen Menschen diskutiert... da hat es richtig oft Klick gemacht und irgendwas ist an die richtige Stelle gerutscht.
Darum als klare Botschaft für Dich:
Du musst nicht immer „neues“ Wissen servieren, um Mehrwert zu liefern. Es geht so oft eher darum, was Du daraus machst.
Hier sind 5 Gründe, warum alter Wein in neuen Schläuchen manchmal genau das ist, was Deine Teilnehmenden brauchen:
1️⃣ Bestätigung rockt!
Deine Teilnehmenden merken, dass sie schon einiges draufhaben und das gibt einen angenehmen kleinen Ego-Push ! 💥
Viele Teilnehmende kommen in Workshops mit dem Gefühl: "Ich weiß nichts."
Dabei brauchen sie manchmal einfach den richtigen Rahmen, um zu merken: "Wow, ich hab da schon echt was drauf!" Alleine diese Bestätigung kann schon für ein ganz anderes Umgehen mit Herausforderungen sorgen. .
Mein Beispiel aus der Praxis:
In einem Leadership-Workshop für junge Führungskräfte ging’s vor zwei Jahren um aktives Zuhören. Klar, das Prinzip war denen bekannt. Aber tatsächlich gespürt, wie das eigentlich geht, wie es sich auf beiden Seiten anfühlt, hatten sie noch nicht. Meine Information war also nicht neu. Düdüm!
Die Erfahrung durch meine praktische Übung und der Austausch darüber, wie sich das angefühlt hat und wie sie das in ihrem Führungsalltag jetzt umsetzen können schon.
2️⃣ Wiederholung schadet nicht
Manchmal braucht’s den 3. (oder 13.) Durchlauf, bis der Ahaaa-Moment wirklich zündet. 🎉
“Das kenne ich doch schon…” Na und? Wissen wird durch Wiederholung verankert. Deine Teilnehmenden brauchen oft den dritten, vierten oder sogar zehnten Durchlauf, bis das Gelernte wirklich klickt und sie daraus auch wirklich etwas für ihren Alltag und ihr Verhalten ableiten können.
Mein Beispiel:
In einem Zeitmanagement-Workshop ging es um die bekannte Eisenhower-Matrix. Die Reaktion? Ein paar genervte Blicke. Ich habe mich darum mit der Erklärung so kurz wie möglich gefasst und die Teilnehmenden danach zu zweit in Ruhe ihre kommende Woche priorisieren lassen. Die Methode war den meisten durchaus bekannt, aber genutzt hatte sie noch niemand. Die anschließende Diskussion war angeregt, lebhaft und kein bisschen genervt. Yay!
3️⃣ Dein Blickwinkel ist einzigartig
Vielleicht macht diesmal Dein Twist den Unterschied. Du bist schließlich die Geheimzutat! 🐼
Es ist nicht nur das Was, sondern vor allem das Wie. Deine Teilnehmenden könnten Inhalte schon mal gehört haben, aber Deine persönliche Note, deine Beispiele und Erklärungen machen möglicherweise den Unterschied.
Mein Beispiel:
In meinem MURAL-Workshop zeige ich in der Regel bekannte Funktionen, denn es gibt kaum geheime Knöpfe auf dem virtuellen Whiteboard. Doch immer, wenn ich erklärte, wie ich sie selbst nutze, höre ich: “Cool, so habe ich das noch nie kombiniert!” As I said: Mein Twist macht den Unterschied.
4️⃣ Diskussionsstoff deluxe
„Ach, das kenn ich!' ist der perfekte Startschuss für mega spannende Gruppengespräche. 🤝
Die richtige Frage reicht oft aus, um die Interaktion und den Austausch so richtig anzukurbeln. Eine simple, aber durchdachte Frage zu einem bekannten Thema oder Konzept kann Deine Teilnehmenden zum Nachdenken bringen und spannende Diskussionen auslösen.
Mein Beispiel:
Wenn ich den Eindruck habe, wir brauchen einen besonders inspirierenden Austausch drehe ich meine Fragestellung manchmal bewusst um und lasse Führungskräfte z.B. darüber diskutieren, warum ein Modell oder eine Methode bei ihnen nicht zutrifft, wie sie vorgehen müssen, um eine Situation zu verschlimmern, statt zu verbessern etc.
So lösen wir uns besonders schnell von dem, was alle (angeblich) schon wissen und sind sofort freier im Denken.
5️⃣ Anwendung = Verankerung
Wissen ist ja schön und gut, aber erst im Workshop wird’s so richtig festgenagelt. 🔨
Selbst die beste Theorie bleibt trocken, wenn sie nicht angewendet wird. In Deinen Workshops geht es darum, die Teilnehmenden ins Tun zu bringen.
Beispiel:
In einem Konfliktmanagement-Training üben wir oft die klassische Ich-Botschaft. Im Kopf hat man sehr schnell verstanden, wie das geht und warum es hilfreich ist, aber erst, wenn man das ganze ein paar Mal in konkrete Formulierungen übersetzt hat und auch merkt, wie schnell man wieder in Du-Botschaften rutscht, wenn das Gespräch weitergeht, kann man das in den Alltag „mitnehmen“.
Also: Deine Workshops rocken, weil Du sie rockst 🤘🏽
Vergiss den Mythos, dass Workshops nur dann wertvoll sind, wenn sie ganz neue Inhalte liefern.
Deine Persönlichkeit, Deine Perspektive und Dein Stil machen Deine Formate zu einem Erlebnis. Deine Teilnehmenden kommen, weil sie von Dir lernen wollen, und genau das ist der Mehrwert.
Bist Du bereit, Dein Wissen in richtig tollen Workshops weiterzugeben?
Oder machst du das schon und wünschst dir mal einen Blick von außen und ein paar frische Ideen?









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