• Franziska Blickle

Was machen Trainer*innen eigentlich während einer Gruppenarbeit?

Die Gruppen sitzen im Raum verteilt oder haben sich draußen ein Plätzchen gesucht. Es wird angeregt gemurmelt oder ist nachdenklich still. Für die nächsten 5-45 Minuten habe ich nichts zu tun. Ist das so?


Ich habe mich früher als Teilnehmerin immer wieder gefragt was Trainer*innen eigentlich während einer Gruppenarbeit machen? Löcher in die Luft schauen? Däumchen drehen? Den nächsten Abschnitt vorbereiten?

Heute lüfte ich das Geheimnis und verrate 11 Dinge, die ICH in diesen Zeiten tue - und welche 4 nicht (mehr)!

1. Fragen beantworten

Egal wie gut wir die Aufgabe besprochen haben, meist ergeben sich im Prozess noch weitere Fragen - entweder inhaltlich oder auch ganz pragmatische, wie z.B. welche Farbe die Moderationskarten für die Dokumentation haben sollen oder ob die Gruppe draußen arbeiten kann. Ich versuche darum nie zu lange oder zu weit weg zu sein, um all das schnell klären zu können.


2. Biopause

Da ich in den geplanten Kaffee-Pausen meist ebenfalls Fragen beantworte, den nächsten Abschnitt vorbereite oder ähnliches, komme ich hier meist nicht dazu, mich kurz zurück zu ziehen. Ich habe mir darum angewöhnt bei längeren Gruppenarbeiten gleich am Anfang kurz in Richtung Toilette zu verschwinden. Ich bin dann immer rechtzeitig für die ersten Fragen wieder da.


3. Etwas trinken

Auch hier gilt: In den eigentlichen Pausen komme ich meist nicht dazu mir einen neuen Kaffee/Tee zu holen und meine Wasserflasche aufzufüllen. Wenn ich merke, dass das für meine Energie gerade wichtig wäre, nutze ich darum die Zeit in der die Gruppen reflektieren dafür.

Alle fleißig! Schönes Gefühl!

4. Flipcharts fotografieren

Mein Schlimmster Albtraum: Ich will die Flipchart-Doku erstellen und merke, dass ich eines übersehen und nicht fotografiert habe! Damit das nicht passiert nutze ich die Zeit Während Gruppenarbeiten oft dazu sie zu fotografieren. Weitere Vorteile: Ich kann so auch Zwischenstände festhalten und bin nach dem Training wesentlich schneller mit den Aufräumarbeiten.


5. Die nächsten Flipcharts vorbereiten

Ich bin immer eine Stunde vor Trainingsbeginn im Raum. Trotzdem habe ich mir angewöhnt nicht morgens schon alle Flipcharts vorzubereiten, sondern dafür auch die Gruppenarbeits-Zeiten zu nutzen. Zusätzlicher Vorteil: meine Planung ist nie in Stein gemeißelt und wenn ich merke, dass etwas angepasst werden muss bin ich so wesentlich flexibler.


6. Material vorbereiten

Auch Materialen für die nächsten Abschnitte bereite ich oft nach und nach in den Pausen & Reflektionszeiten vor: Stifte und Moderationskarten verteilen, ein Feld im Raum mit Kreppband abkleben, Streifen mit Klebepunkten abreißen und verteilen...all das lässt sich ganz wunderbar machen während man gleichzeitig für Fragen ansprechbar bleibt.


7. Absprache mit der Location

Wir brauchen noch einen Tisch? Wir wollen gern früher oder später Mittagessen? Es gibt noch einen Vegetarier von dem ich nichts wusste? Wir brauchen den Beamer doch schon direkt nach dem Mittagessen? Es haben noch nicht alle eingecheckt?

Als Trainerin bin ich natürlich meist auch für die Absprachen mit der Trainings-Location zuständig und auch dafür nutze ich insbesondere längere Gruppenarbeitsphasen.


Ach ja, Fotos von schönen Locations mit fleißigen Gruppen mach ich natürlich auch noch!

8. Den Zeitplan anpassen

Ja, ich habe einen Plan und nein, der ist nicht in Stein gemeißelt. Auch wenn ich immer besser darin werde abzuschätzen, wie lange einzelne Einheiten dauern werden, die Flexibilität ist mir sehr wichtig Ich habe immer ausreichend Puffer und zu fast allen Methoden eine kürzere Variante parat, damit ich spannende Diskussionen nicht abwürgen muss, wir aber trotzdem im Zeitplan bleiben und alles schaffen, was die TN erwarten.

Wenn alle gerade in den Gruppen beschäftigt sind ist für mich der perfekte Zeitpunkt um den Zeitplan zu prüfen und - falls nötig - etwas anzupassen.


9. Etwas nachsehen/recherchieren

Es passiert oft, dass ich nicht alle Fragen sofort beantworten kann - ich bin leider kein Lexikon... Vor allem wenn es um Details geht, wie in welchem Jahr genau eine Studie veröffentlich wurde und wie viele Probanden teilgenommen haben, in wie vielen Sprachen ein bestimmtes Buch zur Verfügung steht oder ob es noch andere Namen oder Abwandlungen für ein bestimmtes Modell gibt (ja, all das wollen die Teilnehmer*innen wissen und noch sooo viel mehr).

Die Gruppenarbeitszeit ist also auch der Moment für mich in dem ich solche Fragen klären und recherchieren kann um sie hinterher zu beantworten.


10. Den Raum umbauen/aufräumen

Ich fühle mich auch verantwortlich für den Raum in dem wir gemeinsam trainieren und dafür, dass sich alle dort wohlfühlen. Für mich bedeutet das z.B. die Fenster zu öffnen und frische Luft rein zulassen, mal eine Jacke wieder über den Stuhl zu hängen, leere Kuchenteller einzusammeln, die Pinnwände so zu drehen, dass sie gut zu sehen sind und wenig Platz wegnehmen, Stifte wieder in den Moderationskoffer zu legen, etc.

Zusätzlicher Vorteil: So bin ich im Raum unterwegs und kann auch mal in die Gruppen reinhören, wie die Stimmung ist, ob die Aufgabe klar ist, ob die Zeit reicht oder die Gruppe vielleicht schon fertig ist und ganz andere Themen bespricht.


11. Ich-Moment

So ein Trainingstag ist auch für Trainer*innen lang. Insbesondere weil - wie man hier sieht - vermeintliche Pausen und Leerlaufzeiten meist prall gefüllt sind. Ich bin immer präsent, aktiv, bereit Fragen zu beantworten, zu reagieren, den Plan anzupassen, auf Wünsche und Bedürfnisse einzugehen.

Wenn all das gerade passt und die Uhr noch ein paar Minuten Gruppenarbeit zeigt, gönne ich mir manchmal tatsächlich auch einen Ich-Moment:

Ich schaue aus dem Fenster, versuche einfach nur hier und jetzt zu sein, frage mich ob bei mir alles gut ist, ob es war braucht, einen Schluck Wasser, einmal strecken, ein tiefer Atemzug...und meist geht es dann auch schon wieder weiter.

Und vieles davon gilt natürlich auch für virtuelle Formate!

Es gibt euch einige Dinge für die sich die Zeiten während der Gruppenarbeit NICHT eignen...

was ich teilweise schmerzlich lernen musste.


1. Zugtickets kaufen

Schien mir eine gute Idee damals und ist mit der App der Bahn ja auch schnell gemacht. Doofe Überraschung allerdings, als ich Zug von Amsterdam nach Berlin saß mit einem Ticket Berlin- Amsterdam. Der Schaffner hat ein Auge zugedrückt - und ich meine Lektion gelernt.


2. Mails & Nachrichten lesen und/oder beantworten

Meine Kunden verdienen es, dass ich im Training oder Workshop geistig ganz bei ihnen in und nicht schon beim nächsten Auftrag. Ich habe es mir darum abgewöhnt in den Pausen oder Gruppenarbeitszeiten meine Mails zu checken oder Whatsapp-Nachrichten abzuhören. Meist ist mein Handy im Flugmodus.


3. Telefonieren

Es muss schon ein wirklicher, echter Notfall sein, dass ich die Gruppenarbeitszeit für ein Telefonat nutze.


4. Essen

Die Kaffee-Pausen sind für Trainer*innen meistens keine Pausen an sich. Es ist also super verlockend, sich noch ein paar Trauben oder ein Stück Kuchen zu schnappen, wenn die Gruppen arbeiten.

Ich habe aber gemerkt, dass ich das nicht genießen kann, ich schlinge es herunter und fühle mich unwohl, wenn ich dann noch kauen muss bevor ich eine schnelle Frage beantworten kann. Darum esse ich im Training nur in absoluten Ausnahmefällen.

Wenn du auf dem laufenden sein willst was bei mir so passiert, welche neuen Projekte ich starte oder welche Trainings aktuell sind, dann abonniere gern hier meinen Newsletter, den ich wöchentlich am Freitag versende.

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Franziska Blickle: 

Trainerin für Kommunikation, Leadership und Selbstmanagement, in Berlin daheim und europaweit unterwegs

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