• Franziska Blickle

Was ist der Unterschied zwischen "Brainstorming" und "Brainwriting"?

Starten wir mit der Gemeinsamkeit:


Sowohl Brainstorming als auch Brainwriting sind Kreativitätstechniken, die vor allem in Gruppen eingesetzt werden um für eine Herausforderung oder Fragestellung möglichst viele, oft neuartige Lösungsmöglichkeiten, zu finden.

Und was nutze ich jetzt wofür? Was sollte ich beachten?

Und gibt's da noch was besseres?

Wie funktioniert Brainstorming ?


Phase 1: Ideen sammeln


Beim Brainstorming wird meist so vorgegangen, dass in Phase 1, der Ideenfindung alle Gruppenmitglieder ihre Ideen laut aussprechen - manchmal der Reihe nach, oft einfach durcheinander.


Eine vorher bestimmte Person notiert sie für alle sichtbar z.B. an einem Flipchart oder auch auf dem Laptop, dessen Bild mit dem Beamer für alle sichtbar ist. Wichtig: die Person selbst notiert genau was sie hört und verändert die Idee nicht schon beim Aufschreiben.


Wichtig: die Brainstorming Regeln


Brainstorming funktioniert leider nur dann wirklich konstruktiv, wenn die Brainstorming-Regeln bekannt sind und von allen eingehalten werden:

  • Je MEHR Ideen desto besser! Ausnahmsweise gilt hier mal Quantität vor Qualität! Das Aussieben und die Prüfung der Machbarkeit geschieht erst im zweiten Schritt.

  • Je VERRÜCKTER die Ideen, desto besser! Komplett verrückt diese Idee? Erst in der Zukunft möglich? Viel zu teuer? EGAL! Wer weiß, was dadurch in den Köpfen der anderen Teilnehmer geschieht? (siehe Regel 3)

  • KEINE Kritik, kein Nein, keine Schere im Kopf! Die wichtigste und schwierigste Regel. Was XY sagt ist viel zu teuer/unrealistisch/wurde schon versucht? EGAL! Hier geht es darum, dass jede*r Ideen völlig frei äußern darf und will.

  • Gegenseitige Inspiration und weiterdenken erwünscht! Genau das wolltest du auch gerade vorschlagen, nur anders? Kein Problem! Nimm die Idee und entwickle sie weiter, baue auf ihr auf. Brainstorming ist ein Teamsport und es geht genau darum, dass in der Gruppe gemeinsame Ideen entstehen! Beim Brainstorming gibt es kein Copyright. Das ist ein Teamsport!

Als Moderatorin wiederhole ich diese Regeln vor jedem Brainstorming, das ich durchführe - völlig egal wie gut die Teilnehmer*innen glauben, sie zu kennen.


Und ich bin streng!

Skepsis und Kritik hat in dieser Methode nichts verloren. Auch keine hochgezogenen Augenbrauchen oder abgewendete Blicke.

Die Realismus-Brille darf danach poliert werden, aber im Brainstorming selbst ist alles möglich.


Was ist noch wichtig?


Neben den Brainstorming-Regeln ist außerdem wichtig, dass es eine konkrete Fragestellung und einen festen Zeitrahmen gibt, die allen bekannt sind. Ich schreibe die Frage am liebsten für alle sichtbar auf und lasse die Zeit - ebenfalls gut sichtbar - als Countdown ablaufen.


Phase 2: Ideen ordnen und bewerten


Nach der Ideenfindung werden in Phase 2 die Ideen geordnet und bewertet. Jetzt ist auch der Zeitpunkt kritisch zu hinterfragen, ob das Budget für die Idee reicht, etwas mit dem aktuellen Wissensstand umsetzbar ist oder das Problem damit nicht nur verlagert wird. Jetzt ist der Moment für Skepsis und Realismus.


Als Moderatorin weise ich vorher darauf hin, Idee und Person zu trennen. Ich kann eine Idee unrealistisch finden, die Person selbst jedoch respektvoll und wertschätzend behandeln - auch und gerade durch meine Ausdrucksweise. Auch hier bin ich streng und sorge dafür, dass ein konstruktiver Umgangston herrscht.

Was ist anders beim Brainwriting?


Das Brainwriting funktioniert grundsätzlich ähnlich und wird auch für ähnliche Frage- oder Problemstellungen eingesetzt. Der große Unterschied ist, dass hier zu Beginn der Sammelphase alle Beteiligten zunächst für sich ihre Ideen schriftlich notieren.

Das hat den Vorteil, dass alle Ideen gehört werden können. Beim reinen Brainstorming gehen leider trotz aller Regeln oft Ideen von ruhigeren Beitragenden unter.


Eine Gute Idee ist, die Ideen gleich auf Kärtchen oder Klebezettel schreiben zu lassen, dann muss nicht alles von den Listen nochmal auf ein Flipchart gehängt werden. Diese Ideen können dann in der Folgephase auch gleich sortiert, geclustert oder priorisiert werden.


Unterschiedliche Brainwriting-Methoden sind in diesem Wikipedia-Artikel aufgeführt und beschrieben:


Ich persönlich finde die Methode 6-3-5 für Brainwriting effektiv und effizient.


Hier bekommen 6 Teilnehmende ein jeweils gleich großes Blatt Papier.

Dieses wird durch Falten oder mit Strichen in 18 Kästchen aufgeteilt - 3 Spalten und 6 Zeilen. Jede Person schreibt nun auf das eigene Blatt in die erste Zeile pro Spalte eine Idee, also 3 Ideen, zur Lösung der gemeinsamen Problemstellung.

Nach einer Zeit X, die natürlich je nach Fragestellung variieren kann, reicht jede*r das Blatt an den Nachbarn weiter, z.B. im Uhrzeigersinn. Jetzt versuchen alle die genannten Ideen zu ergänzen, weiterzudenken oder zu konkretisieren. Diesen Schritt wiederholen alle 5 Mal.


Mit dieser Methode können z.B. bei einer Rundenzeit von 5 Minuten innerhalb von 30 Minuten maximal 108 Ideen entstehen: 6 Teilnehmer × 3 Ideen × 5 Wiederholungen.

Brainstorming und Brainwriting funktionieren übrigens wunderbar auch virtuell. Ein mögliches Tool dafür ist MURAL. Noch nie gehört? Dann ist dieser Artikel vielleicht was für Dich:

MURAL - Wer, was oder wo ist das denn?


Franziska Blickle: 

Trainerin für Kommunikation, Leadership und Selbstmanagement, in Berlin daheim und europaweit unterwegs

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