• Franziska Blickle

Nach dem Training: ein Loch!

Auch wenn mir mein Job großen Spaß macht, so ein Trainings- oder Workshop-Tag ist sehr anstrengend - vor allem mental.


Meist von 9-17 Uhr muss ich als Trainerin absolut präsent und fokussiert sein.

Entweder gebe ich selbst Inputs, ich moderiere eine Diskussion, leite die Übungen und Reflexionen an oder höre aufmerksam zu und stelle die Fragen, die neue Perspektiven ermöglichen.


Pause? Gibt es eigentlich nicht so wirklich. Während der Kaffee-Pausen bereite ich meist den nächsten Abschnitt vor, fotografiere schnell die Flipcharts, male noch eines oder ich beantworte die Fragen der TN.

Während der Gruppenarbeiten? Da bin ich sogar auf elf unterschiedliche Dinge gekommen für die ich die Zeit nutze. Den Kopf mal ausschalten und Pause machen war keine davon.


Wenn also die letzten TN gegangen sind, das letzte Flipchart fotografiert und mein Material wieder verstaut ist, falle ich rein - in das Nach-Training-Loch.


Manchmal merke ich dann nur eine große Müdigkeit, manchmal ist es als hätte man mir plötzlich und ohne Vorwarnung den Strom abgedreht. Alle Energie raus!


Jetzt will ich nur noch „heim“ (das kann in dem Moment auch das Hotelzimmer sein) und nichts tun. Gar nichts!


Das dauert so eine halbe Stunde bis Stunde und dann bekomme ich Lust den Abend zu gestalten. Aber auch wenn ich normalerweise ein Gruppenmensch bin, brauche ich heute keine Menschen mehr. Jedenfalls nicht viele. Vielleicht was essen gehen oder in Ruhe kochen, vielleicht ein Film, selten raffe ich mich noch zum Sport auf, schon eher ein Spaziergang.


Und was hilft?

Das habe ich mich lange gefragt.

Mittlerweile glaube ich, dass ich das einfach so akzeptiere. Wenn mein Körper und Kopf den ganzen Tag leisten, dann darf danach euch so ein Loch kommen. Da sitze ich dann und lasse die Energie zurückkommen -ganz in Ruhe.


Was hilft nicht?

Zu Anfang meiner Selbständigkeit habe ich mir für die Abende nach dem Training oft viel zu viel vorgenommen - vor allem, wenn die Zugfahrt nach Hause von oft über vier Stunden noch anstand. Heute weiß ich: Das bringt nichts! Morgen bin ich wieder fit und kann das gleiche in besserer Qualität und kürzerer Zeit erledigen, da kann ich wieder charmant formulieren und Entscheidungen treffen, gute Ideen haben und Pläne schmieden.

Jetzt will ich lieber aus dem Fenster schauen, ein (meistens alkoholfreies) Bier trinken, Musik hören…Und genau das werde ich jetzt tun!

(Geschrieben nach einem Trainingstag in der Nähe von Hamm (Westfalen) im ICE 556 nach Berlin Gesundbrunnen)

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Franziska Blickle: 

Trainerin für Kommunikation, Leadership und Selbstmanagement, in Berlin daheim und europaweit unterwegs

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