• Franziska Blickle

Stimme weg?! - Erste Hilfe bei Heiserkeit im Training

Aktualisiert: 4. Nov 2019

Du stehst im Trainingsraum, gut sichtbar, aber kriegst keinen Ton heraus?? Irgendwann ist immer das erste Mal! In diesem Artikel erfährst Du was Du jetzt tun kannst.

Meine Stimme ist zum Glück durchaus robust und wenig anfällig für Heiserkeit. Eine Woche täglich mehrere Stunden Chorprobe, direkt danach Theaterproben-Wochenende und dann jeden Abend eine Aufführung - früher hat mich das völlig kalt gelassen und während alle um mich herum gekrächzt, sich an Teetassen festgehalten und in dicke Schals gehüllt haben, war mir Heiserkeit völlig fremd.


Nichts hält ewig und mittlerweile protestiert meine Stimme - bevorzugt bei Erkältung oder wenn ich auf einem Konzert 2-3 Stunden mitgesungen habe.

Dienstag Abend klang ich schon recht lustig, Mittwochvormittag ging dann außer Krächzen gar nichts mehr. Und selbst das war extrem anstrengend.


Da ich mich sonst ziemlich gut gefühlt habe, war klar, dass ich das Training am Donnerstag trotzdem halten möchte. Klar war aber auch, dass ich mir Gedanken machen muss, was ich am Trainingsablauf und an den Methoden ändern kann, um möglichst wenig sprechen zu müssen und welche SOS-Maßnahmen ich durchführen kann, um meiner Stimme wenigstens ein wenig auf die Beine zu helfen.


Von unterschiedlicher Seite haben mich so viele tolle Tipps, Tricks und Hinweise erreicht, dass ich beschlossen habe, diese (und meine eigenen Einfälle) hier zusammenzufassen, damit möglichst viele in einer vergleichbaren Situation davon profitieren! Sharing is caring!

Das kannst Du tun, wenn deine Stimme

sich krank gemeldet hat:


Erste Hilfe-Maßnahmen für die Stimme → Was kannst du sofort starten oder stoppen um zu retten, was zu retten ist.


Änderungen und Vorbereitungen für den Trainingstag → Was kannst du an deinem Konzept ändern um den Tag für dich und die Teilnehmer gut zu gestalten?


Hilfreiches für den Trainingsraum → Welche Tricks helfen die üblichen Trainingssituationen auch tonlos zu meistern?

Erste Hilfe-Maßnahmen für die Stimme


Worin sich alle einig sind: Bitte unbedingt viel trinken! Viel! Richtig viel!

Über das “Was?” gibt es unterschiedliche Meinungen: Tee - insbesondere Salbeitee - wurde mir sehr ans Herz gelegt. Wenn Du es süß magst am besten mit Honig.


Mit Salbeitee gurgeln oder - noch besser - einen Inhalator benutzen!

Zugegeben, das habe ich nicht versucht, weil ich beides nicht zur Hand hatte, aber es kam mehrmals als Tipp und lohnt sicher einen Versuch.


In der Apotheke die richtigen Lutschpastillen besorgen!

Die Mehrheit der von mir Befragten schwört auf GeloRevoice. Da das auch die Empfehlung meiner sympathischen Apothekerin war, habe ich den Test gewagt. Ziemlich schleimig aber vermutlich deswegen so hilfreich. Andere schwören auf Ipalat oder Isländisch Moos.


Lax Vox® als die Stimmübung zur Pflege, Heilung und Schulung der Stimme

Ich habe vor meinem Heiserkeitshilferuf noch nie von Lax Vox® gehört, nachdem das aber vor allem von Sänger*innen kam (und ich denke mal die kennen sich aus) habe ich mich informiert und bin für die Zukunft jetzt auch mit einem Schlauch gerüstet um Stimmübungen machen zu können.

Das klingt nebulös? Dann gerne selbst hier nachlesen: auf https://www.laxvox.de/ ist das besser erklärt als ich es könnte.


Das wichtigste - auch wenn es schwer fällt - ist möglichst wenige sprechen und die Stimme schonen!

Ich habe am Tag vor dem Training tatsächlich meine Telefonate abgesagt und versucht, so wenig wie möglich zu sprechen! Puh, war das schwierig! Aber auch eine gute Übung :)

Änderungen und Vorbereitungen für den Trainingstag


Als klar war, dass sich meine Stimme nicht auf magische Weise plötzlich erholen würde, bin ich mein Trainingskonzept durchgegangen und habe geprüft wo ich Änderungen machen kann.


Meine Trainings sind ohnehin eher interaktiv und ich versuche, nicht zu viel am Stück zu erklären, aber gerade bei einem neuen inhaltlichen Input ist die Erklärung / Erarbeitung am Flipchart doch recht oft mein Mittel der Wahl.

Was tun?


Gruppenarbeit statt Trainervortrag

Ich habe diesmal die meisten Inputs wie z.B. die 5 Teamphasen nach Tuckman in kleinen Gruppen erarbeiten und gegenseitig vorstellen lassen.

Um sicherzustellen, dass das alles abdeckt, was wir in der Vorbereitung an Inhalten vereinbart haben, habe ich die Aufgabe mit genauen Fragen konkretisiert.


Beispielfragen:

  • Wie heißt Phase x und warum?

  • Worum geht es dem Team in dieser Phase?

  • Woran kannst du erkennen, dass dein Team in dieser Phase ist?

  • Was solltest du als Leader in dieser Phase tun und was besser lassen (Dos & Don’ts)

  • Welches Risiko besteht in dieser Phase?

  • Was an dieser Phase ist nützlich und lehrreich für das Team?

Die Gruppenaufteilung, den genauen zeitlichen Ablauf und den Auftrag, das Ganze inklusive Visualisierung vorzubereiten, habe ich schriftlich festgehalten, um es nicht wiederholen zu müssen.

Stichwort "schriftliches Festhalten": ob mit Flipchart oder als Powerpoint-Folie - das ist eine Frage des Geschmacks, der Zeit und der Verfügbarkeit.


Gute Erklärvideos suchen

Zum Glück gibt es so viele wirklich gute Videos online, dass es einfach war, ein paar Inputs auszulagern. Statt also selbst den “Golden Circle” zu erklären, habe ich Simon Sinek selbst zu Wort kommen lassen.

Und auch zum Thema Unconscious Bias und Diversity habe ich nach kurzer Suche wirklich gute Kurzvideos gefunden (siehe Links).

Um nicht jedes Mal neu suchen zu müssen, habe ich für diese Videos eine eigene Lesezeichen-Kategorie angelegt.


Erfahrungsaustausch strukturieren

Wichtig ist für meine Teilnehmer*innen immer, nicht nur neues zu erfahren sondern auch von ihren Kolleginnen und Kollegen, also von ihrer Peergroup, zu lernen - und sei es nur, dass alle dieselben Herausforderungen, Fragen und Unsicherheiten haben.

In so einem Erfahrungsaustausch ist es meine Rolle zu moderieren und ggf. einen hilfreichen Denkanstoß zu geben.

Wie sehr ich hier mit meiner Stimme arbeite, habe ich diesmal erst gemerkt und habe vorher noch keinen Grund gesehen, mir dafür etwas zu überlegen.

Beim nächsten Mal würde ich mir eine Methode oder Struktur überlegen, die mich dabei unterstützt. Oder ich würde sogar jemand anderen moderieren lassen - vielleicht einen der Teilnehmer. Diesmal fiel es mir zwischendurch schwer, die Diskussion wieder in den Griff zu bekommen, weil ich mir einfach kein Gehör verschaffen konnte.

Hilfreiches für den Trainingsraum


Vor allem meine Trainerkolleg*innen haben mich mit vielen tollen Tricks für den Trainingsraum versorgt:


Offen ansprechen

Habe ich Kopfschmerzen oder ähnliches, gibt es normalerweise keinen Grund, meinen Teilnehmer*innen davon zu erzählen. Im besten Fall bemerken sie es nicht einmal. So etwas offensichtliches - oder eher offenhörliches - wie Heiserkeit hingegen ist aber sehr präsent und fällt allen auf.

Ich habe also gleich zu Anfang angesprochen, dass meine Stimme angeschlagen ist, es mir aber sonst gut geht. Ich habe darauf hingewiesen, dass ich einige Änderungen vorgenommen habe, um meinen Teilnehmern eine gute Trainingserfahrung zu ermöglichen und deswegen ggf. zwischendurch das neue Timing checken muss. Außerdem habe ich ihnen gesagt, wie sie mich unterstützen können - z.B. selbständig auf das Timing achten etc.


Handzeichen vereinbaren

Manche Dinge sage oder frage ich immer wieder. Der Klassiker ist das “Was noch?” wenn ich wissen möchte welche Erfahrungen die Teilnehmer bereits gemacht haben, welche Methoden Sie kennen oder was sie in der gerade erlebten Übung beobachtet haben. Um das nicht jedes Mal sagen zu müssen, habe ich dafür diesmal ein Handzeichen eingeführt: ein kleiner Kreis mit der Hand in die Luft gezeichnet. Und auch das “Danke”, das für mich nach jedem Teilnehmer*innen-Beitrag selbstverständlich ist, habe ich diesmal nonverbal signalisiert durch zusammengelegte Hände.


Weitere Aussagen/Fragen für die Handzeichen nützlich sein könnten:

  • Bitte wiederholen!

  • Ruhe bitte!

  • Kannst du das etwas genauer erklären?

  • Hat jemand einen Tipp?

  • Gibt es Fragen zur Aufgabe?

Aussagen oder Fragen auf Moderationskarten schreiben

Statt Handzeichen können auch Karten mit Aussagen bzw. Fragen, die hochgehalten werden nützlich sein.


Timer nutzen

Normalerweise macht es mir nicht aus Gruppen über die Zeit zu informieren oder am Ende einer Gruppenarbeit zusammenzutrommeln.

Gut funktioniert dafür natürlich ein deutlich sichtbarer Timer.

Da ich keinen analogen zur Hand hatte habe ich mir digitale Hilfe geholt und bei https://webuhr.de/timer/ einen Timer gestellt und über den Beamer anzeigen lassen.


Gong/Glocke/Tonsignal nutzen

Beim nächsten Mal würde ich mir auf jeden Fall noch etwas mitnehmen, womit ich die Teilnehmer zurückrufen oder die Aufmerksamkeit wieder auf mich ziehen kann. Natürlich geht das auch mit klatschen etc., einen Gong oder ein Glöckchen finde ich aber schöner.


Sprechball oder ähnliches nutzen

Zugegeben, in der Regel bin ich kein Fan davon und steuere die Wortmeldungen lieber verbal, diesmal wäre es aber nützlich gewesen, das Wort über das Zuwerfen z. B. eines (weichen) Balls erteilen zu können. Ich habe mir diesmal damit beholfen, auf die Teilnehmer*innen zu zeigen.


Aufgaben delegieren

Beim nächsten Mal würde ich mir für manche Themen Hilfe bei den Teilnehmern holen und z.B. einen Timekeeper bestimmen.


Mikrofon nutzen

Das ist natürlich nicht immer und überall möglich. Falls Du aber die Option hast ein Mikrofon zu nutzen, dann unbedingt machen. Es entlastete deine Stimme und deine Teilnehmer*innen verstehen trotzdem alles.


Und das wichtigste zum Schluss:


Nicht flüstern!

Es ist verführerisch, weil es zunächst weniger anstrengt. Leider strengt es deine Stimmlippen aber nur noch mehr an und verschlimmert die Situation in den meisten Fällen.


Am nächsten Tag ist ausruhen und Stimme schonen Pflicht!

Du hast es durchgezogen! Aber jetzt ist Pause angesagt. Bitte weiterhin viel trinken, gurgeln oder inhalieren, lutschen, was dir gut tut und vor allem: Klappe halten! :)

Hast Du noch weitere Tipps und Tricks? Dann freu ich mich sehr über einen Kommentar!

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Franziska Blickle: 

Trainerin für Kommunikation, Leadership und Selbstmanagement, in Berlin daheim und europaweit unterwegs

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