• Franziska Blickle

Kollegiale Fallberatung - wie geht das eigentlich?

Aktualisiert: 30. Juli 2019

Der Name scheint die Methode zu sein, aber wenn man das ganze etwas strukturierter angeht kann man für alle noch mehr rausholen! Welche 7 Schritte aufeinander folgen und welchen Mehrwert eine wirkliche Moderation liefert erfährst Du hier.

"Kollegiale Fallberatung" - Was ist das eigentlich?


Kollegiale Fallberatung ist eine tolle Methode zur gemeinsamen Beratung und Beantwortung konkrete Fragestellungen in kniffligen Fällen - ganz egal ob fachlich oder eher zwischenmenschlich. Es ist dabei auch völlig egal ob die Mitarbeiter*innen bzw. Führungskräfte neu in ihrer Rolle sind oder schon sehr erfahren - es profitieren immer alle.


Ein weiteres Plus: Neben den Lösungen selbst stärkt die Methode das Netzwerk und Zusammengehörigkeitsgefühl der Beteiligten.


Und was man nicht vergessen sollte: Auch für uns Erwachsene ist das Gefühl etwas (in der Gruppe) selbst geschafft/gelöst zu haben super motivierend! 💪🏼😁


"Kollegiale Fallberatung" - Ist der Name nicht schon das Rezept?


Genau das habe ich am Anfang auch gedacht, aber wenn man sich an diese 7 Schritte hält kann man wirklich für alle das meiste rausholen:


1. FALLBESCHREIBUNG: Fallgeber*in A beschreibt möglichst knapp und Präzise den Fall und endet mit einer konkreten Fragestellung "Wie kann ich....?".


2. KLÄRUNG DER DETAILS Die Berater*innen B+B+B stellen Verständnisfragen ohne Kommentar oder Lösungsvorschlag.



***A dreht sich um oder sitzt ggf. hinter einer Trennwand. Lauschen und notieren explizit erwünscht!***


3. HYPOTHESENBILDUNG: B+B+B stellen Hypothesen auf zu den Ursachen, Gründen und Emotionen "unter der Oberfläche". Hilfreiche Formulierungen: " Es könnte sein, dass..." oder "Möglicherweise..."


4. ERGÄNZUNGEN DER HYPOTHESEN: A kommentiert die Hypothesen - es geht hier aber nicht um Rechtfertigung oder Schuld, das ist wichtig!



***A dreht sich wieder um oder setzt sich hinter die Trennwand. Lauschen und notieren explizit erwünscht!***


5. LÖSUNGSSAMMLUNG: B+B+B finden in einem Brainstorming so viele Lösungsansätze wie möglich und halten alle (!) fest.


6. LIEBLINGSLÖSUNGEN: B+B+B nennen jeweils die eigenen Lieblings-Lösung und das Warum?


7. DAS FINALE:

A kommt dazu und darf nun a) die Lösungen kommentieren b) sich für die eigene Lieblingslösung entscheiden c) eine*n B für den (Time) Check wählen.

Vereinbart wird zwischen A und dem Check-Up-Partner B das WAS, WANN und WIE und natürlich auch wann A Rückmeldung über den Erfolg gibt!





"Kollegiale Fallberatung" - Mit oder ohne Moderation?


Bei einer Erfahrenen Gruppe in der alle Mitglieder die Schritte und Regeln verinnerlicht haben, ist meist keine explizite Moderatorenrolle notwendig.


Lernt eine Gruppe die Methode aber ganz neu kennen ist es am Anfang sehr hilfreich, wenn jemand die Moderation übernimmt.

Das kann notfalls auch ein Gruppenmitglied sein, entscheidend ist dann aber, dass klar ist, was Moderation bedeutet, nämlich dafür zu sorgen, das der Prozess eingehalten wird. Dafür ist wichtig, dass die*derjenige sich inhaltlich weitestgehend zurück hält.


Die Aufgaben der Moderatorin/des Moderators:

  1. Die Schritte der kollegialen Fallberatung kurz für alle wiederholen und ggf. visualisieren.

  2. Je nach Zeitrahmen die Dauer der einzelnen Schritte festlegen.

  3. In der Klärungsphase darauf achten, dass a) nur relevante Details geklärt werden und b) nicht bereits mit der Beratung begonnen wird.

  4. Bei der Hypothesenbildung darauf hinwirken möglichst viele Perspektiven zu berücksichtigen.

  5. In Stufe 4 (Kommentation der Hypothesen) ggf. eingreifen wenn A Rechtfertigungen statt Kommentare abgibt.

  6. Bei der Lösungssammlung unterstützt die/der Moderator*in dabei möglichst viele Lösungen zu sammeln. Die entscheidende Frage: "Welche Möglichkeit gibt es noch?"

  7. Beim Finale kann es hilfreich sein zusammenzufassen und bei der konkreten Zielformulierung zu unterstützen.


Viel Spaß und Erfolg beim Ausprobieren!


Wenn du auf dem laufenden sein willst was bei mir so passiert, welche neuen Projekte ich starte oder welche Trainings anstehen, trag dich gern in meine Update-Liste ein.



Franziska Blickle: 

Trainerin für Kommunikation, Leadership und Selbstmanagement, in Berlin daheim und europaweit unterwegs

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