• Franziska Blickle

Let's talk about Sex! | Interview mit Yvonne Schudel zu eher herausfordernden Facilitation-Aufgaben

Hier geht es um die Frage, wie man durch gute Konzeption und Moderation so vertraute virtuelle Formate gestallten kann, dass die Teilnehmenden sogar über ihr Sexleben sprechen. Let's go!


Bild von Yvonne Schudel
Das ist Yvonne Schudel

Yvonne ist Psychologin und Sexologin und auch sie habe ich in meiner tollen Mastermind-Gruppe Smash It! kennengelernt.


In ihren Coachings und Gruppenprogrammen geht es ...nun ja...immer nur um das eine. Es geht um das eigene Sexleben, das Lösen von dem was als normal und erwartet gilt und darum wie jede (!) einzelne einen besseren Zugang zu den eigenen Wünschen, Bedürfnissen, zur eigenen Lust bekommt.


Solche Formate zu gestalten und moderieren ist nicht ohne und ich war als Facilitato-Kollegin vor allem neugierig, wie Yvonne es schafft, dass ihre Teilnehmenden sich so wohl fühlen, dass sie sogar über Sex sprechen wollen. Viel Spaß mit unserem Interview!

 

Beim Klick startet das Video.

Wenn du unser Gespräch lieber lesen möchtest, dann findest du unten das Transkript.

 

Meine Fragen an Yvonne im Überblick:

(du kannst auch einzelne Fragen anklicken und wirst dann direkt dorthin gebeamt)

  1. Wer bist du & Worum geht es in deinem Business

  2. Was für eine Atmosphäre ist nötig für deinen Austausch?

  3. Was ist in der Konzeption und Planung bei dir anders?

  4. Wie gehst du vor, wenn sich jemand nicht mitteilen möchte?

  5. Was kann ich mir von deinen Formaten mitnehmen?

  6. Was sind für dich die herausforderndste Momente in der Moderation?

  7. Was sind die schönsten Momente?

  8. Was wolltest du schon immer mal gefragt werden?

 

1. Wer bist du und worum geht es in deinem Business?


Franzi: Hallo, Yvonne. Schön, dass du da bist. Ich freue mich riesig, dass wir ein Interview miteinander aufzeichnen. Du bist in meiner Bubble aufgetaucht, über die Content Society. Und das ist jetzt bestimmt schon zwei Jahre her oder so. So lange bloggen wir da schon gemeinsam. Ich bin also mit deinen Themen so ein bisschen vertraut und jetzt freue ich mich total, dich hier interviewen zu dürfen. Aber bevor ich dazu viel sage: Wenn du magst, sei so lieb, stell dich mal kurz vor und erzähl vor allem, was so dein Thema ist. Worum geht es bei dir?


Yvonne: Vielen Dank für die nette Begrüßung. Genau. Ich bin die Yvonne und ich bin Sexologen und Psychologin. Ich zeige Frauen, wie sie mehr Spaß und Lust mit ihrer Sexualität haben können. Denn für viele Frauen ist der Sex so mehr Frust als Lust und oft so ein weiteres To-do auf der Liste. So etwas, was man dann auch mal wieder abhaken sollte. Und da komme ich mit meiner Arbeit hinein, weil ich ja weiß, dass das anders sein könnte und Frauen so gerne einfach dahin führen möchte, weil ich einfach der tiefen Überzeugung bin, das lohnt sich extrem in die eigene Sexualität zu investieren.


Ich zeige Frauen, wie sie mehr Spaß und Lust mit ihrer Sexualität haben können. Denn für viele Frauen ist der Sex so mehr Frust als Lust und oft so ein weiteres To-do auf der Liste. So etwas, was man dann auch mal wieder abhaken sollte.


 

2. Was für eine Atmosphäre ist nötig für deinen Austausch?


Franzi: Cool, das ist super spannend. Das sind ja jetzt keine Themen, über die man einfach so spricht, wo man einfach so sagt: "Was sind denn so deine Monatsergebnisse?" oder so was. Und es sind ja sehr intime Sachen. Erzähl doch mal, was braucht es denn auch in deinem Programm? Da arbeitest du oft auch mit mehreren Personen, mit mehreren Frauen gleichzeitig. Was für eine Atmosphäre braucht es denn da, damit die frei von der Leber weg erzählen und da auch Lust drauf haben auf den Austausch?


Yvonne: Ja, das stimmt absolut. Das ist natürlich ein bisschen speziell oder einfach sehr vertrauensvoll und das ist wirklich für mich das oberste Gebot. Alle Räume, die ich öffne, sind Safe Spaces. Also das ist ganz wichtig, dass die Frauen, die mit mir im eins zu eins oder in der Gruppe arbeiten, dass die sich sicher fühlen.

Und was mache ich, dass das geschehen kann? Es gibt verschiedene Faktoren, also für mich ist das eine, dass ich das auch immer sehr kommuniziere, also dass immer ganz klar wird auf den Landingpages, auch wenn dann so ein Programm startet. Da gibt es immer als Intro diesen Moment, wo ich dann sage: „Hey, und das ist ein Safe Space und alles, was hier geredet wird, bleibt hier drin, weil nur dann können alle davon profitieren.“

Also de facto sitzen ja dann alle im gleichen Boot und sind da, weil sie weiterkommen möchten in einem Thema, das sehr persönlich ist und das in unserer Gesellschaft so enorm aufgeladen ist mit Emotionen und oft in sehr schambehafteten Emotionen. Viele Tabus kommen auch in die Sexualität hinein. Genau, und das spreche ich dann immer ganz offen an, ich spreche auch über das Thema Scham. In den Gruppenprogrammen ist das auch immer ein großes Thema, wo ich erkläre: Was ist Scham, wie funktioniert Scham? Ich entdramatisiere das. Ich enttabuisieren die Scham, indem wir eben darüber reden. Das ist das eine.

Und das andere ist, dass ich immer versuche, nicht einfach als Expertin aufzutauchen, sondern wirklich auch als Mensch, als Frau, die selbst auch auf dem Weg ist. Ich glaube, das ist sehr, sehr wichtig, dass ich nicht so von oben herab irgendetwas predige oder so: "Hey, I have it all figured out." Nicht: „Bei mir funktioniert immer alles und bestens“, sondern da auch wirklich als Eisbrecherin vorausgehen sage: Es ist ein Weg und manchmal macht man Fortschritte und ist mega happy und dann hat man das Gefühl, man macht Rückschritte. Da funktioniert wieder überhaupt nichts. Ich gehe voraus.


Alle Räume, die ich öffne, sind Safe Spaces.

Franzi: Super interessant. Du hast gesagt, du sprichst das ganz offen an, mit dem Safe Space. Du schaffst auch von vornherein schon Klarheit. Also wenn ich ein Programm bei dir buche, dann habe ich das schon so oft gelesen und kann mir da so sicher sein, dass ich schon mit dieser Erwartungshaltung reingehe. Und was du gerade gesagt hast zum Schluss, dass du sozusagen immer vorangehst. Das sind auch Dinge in meinen Trainings. Natürlich wird es nicht so persönlich und nicht so intim.

Es ist ein total wichtiges Instrument, dass ich als Moderatorin nicht nur sage: "So, jetzt erzählt mal von euren Sorgen und Problemen", sondern dass ich das auch vormache, indem ich dann selber mal erzähle, was bei mir eigentlich schwierig ist oder wo ich schon mal Schwierigkeiten in der Gesprächsführung hatte.

Ich sage immer, dass die Person, die sagt "Geht schön weit in das Wasser rein", dass diese als erstes reinlaufen muss und sagen, "So weit meine ich übrigens mit weit." Wenn man am Ufer stehen bleibt und die Leute nur so scheucht, dann drehen die sich immer um und sagen: "Ist jetzt weit genug?"


Yvonne: Ja, genau das ist dieses Leadership. Wir gehen voraus. Ich glaube schlussendlich ist es in allen Themen das gleiche. Also ich gehe immer davon aus, Menschen kommen ja auch in Trainings, weil die Verbindung wollen. Sie wollen nicht nur Wissen. Verbindung entsteht dort, wo wir einander spüren können. Und ich glaube, das ist die Herausforderung, aber gleichzeitig auch das Schöne, die Belohnung.


Franzi: Genau. Und ich glaube, es ist wahrscheinlich auch total hilfreich, wenn man eben nicht nur mitkriegt: bei Yvonne ist natürlich alles perfekt, weil das ist ja ihr Thema. Sondern wenn man auch merkt: ach so, bei ihr ist auch nicht immer alles perfekt und das ist auch Arbeit. Dann gehe ich natürlich auch ganz anders ran und habe nicht so diese Idee. Es gibt nur perfekt.


Yvonne: Ja und genau dort sitzt die Scham. Auch ich denke, wir sind in einer Gesellschaft, die uns so fest pusht mit "Höher, schneller, besser" und mit all diesen Filtern, dass immer alles so perfekt aussieht. Aber das ist ja genau eines der Probleme, warum so viele Menschen den Sex eigentlich nicht wirklich genießen können. Weil sie schon immer das Ziel sehen. Und was ist das Ziel in der Vorstellung von Sex, wie wir es gelernt haben, Orgasmus haben usw. Wenn ich jetzt da in das hineinspringen mit "alles ist perfekt", würde ich eigentlich wieder das, was ich die Frauen lehren möchte, gleich wieder zunichtemachen mit dem, wie ich dann meine Trainings oder meine eins zu eins gestalte.

 

3. Was ist in der Konzeption und Planung bei dir anders?

Franzi: Gibt es noch andere Sachen, wo du sagen würdest, das machst du in der Konzeption oder in der Planung vielleicht von deinen Formaten schon anders? Einfach aufgrund des Themas, weil es in deinen Formaten um das Thema Sex geht. Ist da etwas ganz anders in der Planung und Konzeption?


Yvonne: Ich glaube genau den Punkt, den wir jetzt vorhin schon angesprochen haben, dieses: Ich versuche eben nicht noch mehr, noch schneller, noch besser, sondern mich auch immer wieder auch hinein zu spüren in mich und in die Teilnehmerinnen. Sind wir zu schnell unterwegs? Will ich zu viel? Entsteht ein Gefühl von pushen? Das kann manchmal auch entstehen durch Aussagen, die von Teilnehmerinnen kommen, dass dann eine Stimmung entstehen kann. Ich bin immer sehr wach, um zu schauen: Hey, wichtig ist Präsenz und Raum. Es kommt nicht darauf an, wie schnell wir durch Themen hindurchgehen, sondern dass die Frauen sich wohlfühlen und eben dieses Gefühl von loslassen können, weil das ist der Schlüssel. Ich glaube, das ist so ein wichtiger Punkt. Genügend Zeit.

Eine gute Einführung, wo am Anfang einfach auch ganz viele Themen angesprochen werden. Wir sitzen dann alle an einem Screen oder wir arbeiten online. Aber trotzdem auch zu sagen: Hey, wir ziehen uns nicht aus, es berührt sich niemand intim. Also es geht nie darum, irgendwie Grenzen zu überschreiten oder so zu pushen und dann auch: Hey du darfst jederzeit auch den Bildschirm aus da sein oder ganz aus der Vorstellung raus. Man muss nicht.

Viel Raum auch für das haben, das auffangen zu können. Viel Raum für Fragen und Antworten. Das ist ganz, ganz wichtig. Also wenig Theorie, Platz für Körperübungen ist ein großer Teil in meiner Arbeit, was vom Kopf in den Körper geht und diese Zeit für den Austausch zu haben.


Ich versuche eben nicht noch mehr, noch schneller, noch besser, sondern mich auch immer wieder auch hinein zu spüren in mich und in die Teilnehmerinnen. Sind wir zu schnell unterwegs? Will ich zu viel?
 

4. Wie gehst du vor, wenn sich jemand nicht mitteilen möchte?


Franzi: Okay, prima. Und was du noch gesagt hast, so ein gutes Erwartungsmanagement. Damit ich nicht den ganzen Workshop dasitze und mir denke: "Oh Gott, wann ziehen wir jetzt hier blank?" Sondern dass ich gleich von vornherein weiß: "Nö machen wir gar nicht, wir unterhalten uns ja hier nur."

Jetzt wird es wahrscheinlich den Frauen ganz unterschiedlich leicht fallen, sich da zu öffnen und von sich zu erzählen. Wie gehst du denn damit um, wenn du merkst, da ist wirklich jemand dabei, der sich besonders schwertut damit oder der vielleicht auch nach mehreren Workshops immer noch sehr zurückgezogen ist und sich nicht so mitteilen möchte. Ich glaube, man nimmt sich ja auch selber ein bisschen was weg, wenn man die Möglichkeit zum Austausch nicht nutzt. Wie gehst du denn damit um, wenn jemand sich so gar nicht mitteilen möchte?


Yvonne: Grundsätzlich gehe ich davon aus, die Frauen, die sind freiwillig da, die haben sich freiwillig angemeldet. Es ist nicht irgendein Firmen-Programm, keine Erwartung irgendwo noch von einem Chef. Sie sind freiwillig da und da poche ich schon auch auf die Eigenverantwortung, weil das auch im Thema Sexualität ganz wichtig ist. Also kann ich für meine eigenen Bedürfnisse, aber auch Grenzen? Ja, das Thema Sexualität kann überfordern und ist bei gewissen Frauen vielleicht so fest mit Scham oder auch Traumatisierung behaftet. Die schaffen das irgendwie nicht. Und dann kann es schon sein, wenn ich merke, irgendwie diese Frau, die möchte gerne, aber die kann nicht, dass ich mal nachfrage. Aber ich habe nicht so ein Standardprogramm: Hey, ich frag bei allen nach, weil oh, die hat schon dreimal nichts gesagt.

Was aber sehr spannend ist, sehr oft erlebe, dass die Frauen sehr oft schreiben: "Hey, ich habe mich ausgeklinkt, weil …" oder "Ich bin heute nicht dabei, weil …" Die Frauen haben sehr oft das Bedürfnis haen, sich dann mir per Mail oder Nachricht einfach noch kurz mitzuteilen. Ich weiß meistens, wo die Frauen stehen in ihrem Prozess.

Und wenn ich dann eben merke, da kommt so viel hoch. Manchmal ist auch so ein Moment, wo jemand sehr viel erzählt, wo ich dann etwas mitbekomme, dass ich dann die Person auch anspreche und sage: "Hey, wäre es vielleicht gut, wir würden uns in einer Einzel-Begleitung auch noch treffen?" Also neben der Gruppenbegleitung.


Ja, das Thema Sexualität kann überfordern und ist bei gewissen Frauen vielleicht so fest mit Scham oder auch Traumatisierung behaftet. Die schaffen das irgendwie nicht. Und dann kann es schon sein, wenn ich merke, irgendwie diese Frau, die möchte gerne, aber die kann nicht, dass ich mal nachfrage. Aber ich habe nicht so ein Standardprogramm: Hey, ich frag bei allen nach, weil oh, die hat schon dreimal nichts gesagt.

Franzi: Ich finde das total interessant, weil dein Thema klingt zwar auf den ersten Blick so sehr speziell und so ganz anders als meine Themen, wo es um Kommunikation und Leadership geht. Aber wenn ich ganz ehrlich sein soll, ist es ja auch so, wenn sich Führungskräfte über ihre Probleme in der Führung austauschen oder wenn es um Konflikte in Teams geht. Da ist es vielleicht nicht so intim und persönlich, wie wenn es um Sexualität geht. Aber es ist halt auch wichtig, dass ich mich total wohlfühle. Und wenn da so eine Atmosphäre entsteht, dass man sich für seine Fehler zum Beispiel schämen muss, oder dass man die Konflikte im Team auch jetzt in dem Workshop nicht anspricht, dann ist es eigentlich verschwendete Zeit.


 

5. Was kann ich mir von deinen Formaten mitnehmen?


Franzi: Außer den Sachen, die du jetzt so gesagt hast. Was könnte ich mir denn bei dir vielleicht noch abschauen, wenn ich weiß, ich es geht um einen Workshop und aus den unterschiedlichsten Gründen ist mir wirklich sehr wichtig, dass sich alle richtig wohl dabei fühlen. Was kann ich noch beachten? Was kann ich da vielleicht von dir lernen aus deinen Formaten?


Yvonne: Ich habe so einen Punkt, der mir mega wichtig ist: Alle müssen sich wohlfühlen und dass wir als Menschen auftauchen und nicht grundsätzlich nur als Experten. Die meisten von uns die Bedeutung von Professionalität als: hier bin ich und da sind die anderen. Ich weiß alles, die anderen wissen nichts.

Ich gehe da rein als Mensch, ich weiß nicht alles. Ich bin auch auf dem Weg und die Menschen suchen Verbindung, die suchen nicht nur Wissen.

Und dann kommt für mich der zweite Punkt. Fühlen wir uns als Moderatoren in uns selbst und in unserem Thema so sicher, dass wir nicht kontrollieren müssen, sondern dass wir eigentlich mit dem Flow gehen können, dass wir schon etwas vorbereitet haben, aber irgendwie nicht so steif an dem, was wir vorbereitet haben, dann hängen müssen, sondern sagen können: Hey, ich lass es jetzt einfach auch laufen und vertraue darauf, dass der Prozess richtig kommt. Und wenn man mehrere Male auch mit jemandem oder mit einer Gruppe unterwegs ist, zu reflektieren: okay, das war das, was heißt das für das nächste Mal? Das kann man dann auch wieder auffangen oder dann schauen, was löst das bei den Teilnehmern aus?

Und da reflektiere ich sehr oft dann auch noch mal: Was war das Gefühl und mit welchem Gefühl will ich auch in das nächste Training hineingehen?

Also nicht nur was ist der Ablauf, sondern was ist das Gefühl, das eigentlich am Ende dieses Calls bei den Leuten zurückbleiben soll. Und bei mir natürlich immer ganz stark den Körper mit einzubeziehen. Ich glaube, es ist eine Riesenchance, weil das so viel hilft, irgendwelche Spannung, irgendwelche komischen Erwartungen auch aufzufangen und sagen: "Hey, jetzt atmen wir." Ein paar Minuten mache ich irgendeine Entspannungsübung mit Atmen. Das finde ich sehr wichtig. Und als ich selbst auch schon gegroundet komme, dass ich nicht so auf den letzten Drücker am Call erscheine. Und die anderen kriegen noch alle mit, wo ich bin, irgendwie gestresst, sondern dass ich mir auch die Zeit nehme, noch zwei, drei Mal tief durchzuatmen. Ich glaube, Präsenz ist ganz ein wichtiges Wort.


Franzi: Ich merke da auch immer, was es für einen Riesenunterschied macht, ob ich an dem Tag immer in einer guten Energie dasitze und irgendwie wach bin und ausgeschlafen und vielleicht sogar schon fünf Minuten vorher fertig war und dann noch aus dem Fenster gucken konnte oder mein Lieblingslied gehört habe. Oder ob ich selber, wie du sagst, gerade aus einem anderen Termin rein selber so denkt: Oh Gott, habe ich alles vorbereitet. Worum geht es gerade? Welche Gruppe sitzt hier gerade? Das macht ein Riesenunterschied. Also da ist es glaube ich, auch relativ egal, welches Thema das ist, dass man da so richtig da ist und sich selber wohlfühlt, das fand ich ganz wichtig, dass du das auch gesagt hast. So geht es mir auch immer. Wenn ich mich selber wohlfühle und sicher fühle, dann spreche ich auch den Elefanten im Raum mal an: Jetzt kommt gerade von euch nix. Liegt es an meiner Frage oder braucht ihr einfach gerade was anderes? Und dann ist es auch locker und gelöst. Und wenn ich so immer in meinem Zeitplan bin und sag so: hm, ich habe das Gefühl, keiner hat Lust auf das, was wir jetzt machen, aber es steht hier. Ich ziehe das jetzt durch, dann ist es normalerweise eher so eine Stolper Partie.


Yvonne: Ja, ich glaube, das geht noch weiter. Ich meine, wir alle haben mal einen Call, wo wir einfach rennen müssen. Ist ja auch menschlich. Da müssen wir uns keinen Kopf machen, aber das auch überlegen bei der ganzen Gestaltung von Trainings, generell von unserem ganzen Business. Haben wir den Mut, es so zu gestalten, dass wir uns wohlfühlen?

Ja klar, frage ich bei meinen Kundinnen nach: "Wie war das für euch? Was war gut, was war nicht so gut?" Damit ich da auch dieses Feedback habe. Aber schlussendlich, sind wir die besseren Trainer und Coaches und Berater, wenn wir uns wohlfühlen, wenn wir zu einem Zeitpunkt unsere Trainings ansetzt, wo wir uns wohlfühlen in einem Setting, wo wir uns wohlfühlen.

Für mich ist das zum Beispiel ganz am Anfang auch so gewisse Berufsnormen über den Haufen zu werfen. Ich war eine der ersten, die die Sexualberatung nach dieser Methode, nach der ich arbeite nicht offline anbiete, sondern online. Und ich hatte so viel Widerstand. Oder dass ich alle duze, also es war für mich von Anfang an klar. Viele sagen, das geht nicht im Thema Sexualität, du musst per Sie sein, dass der Abstand ist und ich sage Nein. Das Thema Sicherheit fängt für mich nicht an, ob wir uns siezen. Im Gegenteil. Ich glaube, es fängt dort an, wo wir respektvoll miteinander umgehen, auf Augenhöhe miteinander umgehen und, dass eben mein Gegenüber auch den Mut hat zu sagen: Stopp, jetzt stimmt es für mich nicht, du bist mir zu schnell, zu langsam. Jetzt hast du mir eine Frage gestellt, die ich nicht beantworten will. Kann ich das besser, wenn wir per Sie sind oder wenn wir per Du sind? Und solche Dinge erlaube ich mir.


Ja klar, frage ich bei meinen Kundinnen nach: "Wie war das für euch? Was war gut, was war nicht so gut?" Damit ich da auch dieses Feedback habe. Aber schlussendlich, sind wir die besseren Trainer und Coaches und Berater, wenn wir uns wohlfühlen, wenn wir zu einem Zeitpunkt unsere Trainings ansetzt, wo wir uns wohlfühlen in einem Setting, wo wir uns wohlfühlen.

Franzi: Ich glaube, für manche ist es leichter. Ich glaube, manche können das tatsächlich besser, wenn sie per Sie sind. Aber das hat ganz oft etwas mit den Facilitator oder mit den Coaches selber zu tun, als dass es eine gegebene Regel wäre oder so was. Aber ich kenne das gut, also auch bei mir.

Ich tue mich da in meinem Trainings-Kontext ein bisschen leichter, weil ich vor allem auch oft mit Firmen arbeite, wo ich die Führungskräfte in ihrer ersten Führungsrolle, die sind meistens so alt wie ich oder sogar noch jünger. Da ist das vielleicht alles ein bisschen anders. Aber auch bei mir ist es so, dass ich auf meiner Website und so weiter schon so duze, dass Firmen, die gerne ihre Trainings per Sie wollen, die finden. Die klicken gleich weiter. Aber das ist nur ein Beispiel für alles, was wir so gestalten können in unseren Settings, dass wir auch so arbeiten können, wie wir am leistungsfähigsten sind.


Yvonne: Ja, einfach in unserer "Flow-Zone". Oder wo wir einfach merken, jetzt können wir wirklich das abrufen, was uns einzigartig macht, dort, wo wir Mehrwert für unsere Kunden bieten können.


 

6. Was sind für dich die herausforderndste Momente in der Moderation?


Franzi: Jetzt kommen wir kurz von dem, was wir alles gestalten können und wie wir, wie es gut funktioniert, in die andere Richtung. Was sind denn für dich nach wie vor so die herausfordernden Momente in der Moderation?


Yvonne: Ich glaube einerseits immer der Anfang, wenn eine neue Gruppe zusammenkommt, so wirklich dieses Eis brechen und ich glaube, das ist immer bei allen so, also: Schaffe ich das wirklich? Wie schnell schaffe ich das Eis zu brechen? Halte ich das auch aus? Wenn das vielleicht nicht schnell passiert, wenn ich eher Widerstand spüre, kann ich da genug relaxt sein?

Und was ich auch immer wieder herausfordernd finde ich habe manchmal so Momente, wo dann in einem Gruppen-Setting bei einer Frau plötzlich die Dämme brechen und dann kann es sein, dass dann plötzlich alles herauskommt. Die will eine Frage stellen und dann kommt plötzlich ganz, ganz viel. Und dass ich da die Kundin wohlwollend empathisch abholen kann, denn jetzt geht bei ihr gerade emotional was ab.

Sie hat den Raum, dass sie da reden kann, aber da sind ja noch andere und es kann auch für die anderen zu viel werden. Also je nachdem, wie die dann ins Detail geht, diese Frage: Kann es sein, dass das dann die Stimmung kippen kann für den Rest der Gruppe? Und dass ich da diesen Spagat schaffe zwischen: Hey, du darfst Raum nehmen, ist auch spannend. Also bis zu einem gewissen Punkt ist das spannend für die anderen zu hören: Ah, dieser Frau geht es ja genauso, die stellt sich auch diese Fragen, aber das Problem kennt sie auch. Also das ist eines der ganz großen Tools, die ich gebrauche in der Arbeit, um die bin ich sehr froh, wenn Frauen erzählen, aber auch den Moment zu erkennen, wo ich dann sagen muss: Hey, lass uns das in einem eins zu eins Gespräch.

Und das vielleicht auch noch aufzufangen, wenn da schon zu viel gekommen ist, auch die Gruppe wieder abzuholen. Aber ich denke auch da, das kennst du sicher auch mit anderen Themen.


Franzi: Aber es ist tatsächlich so, manchmal muss man so entscheiden, wer hatte jetzt genug Zeit. Jetzt müssen wir da erst mal ein Schleifchen drum rum binden, damit wir es kurz weglegen können. Aber ja, kenne ich genauso gut. Ich stelle es mir bei deinem Thema ein bisschen schwerer vor als bei meinen. Ich kann nur von mir auf andere schließen. Ich glaube, wenn ich so einen Moment hätte und mich dann endlich überwunden habe, jetzt alles zu erzählen und dann erwischt man mich sozusagen falsch und sagt: Franzi, es ist ja alles schön und könntest du das mir wann anders eins zu eins erzählen? Also du brauchst wahrscheinlich noch eine größere Sensibilität für den richtigen Moment und wie man das dann verpacken kann.


Yvonne: Also ich bin da auch tagtäglich am Lernen, dann oft nicht zu gebrauchen, sondern: Hey, du erzählst jetzt ganz viel und ich denke, genau das wäre jetzt doch geeigneter für eine "Eins zu eins"-Begleitung.

 

7. Was sind die schönsten Momente?


Franzi: Ich switche wieder zurück. Was sind denn so die schönsten Momente in deinen Formaten? Die, wo du richtig feierst, dass du das machst, was du machst?


Yvonne: Ich feiere das sowieso. Ich feiere meine Arbeit. Ich liebe es. Was ich schon ganz speziell finde, sind diese Momente, wo eine Frau dann entweder in einem Gruppen-Setting oder auch im "Eins zu eins" oder dann irgendwie im Nachgang von etwas erzählt, wo sie die Einleitung bringt: "Hey, das habe ich noch nie jemandem erzählt..." oder "Ich habe etwas gemacht, das ich früher nie gemacht hätte."

Ein Beispiel eine Frau, die bei mir in einem Gruppen Setting und in einer eins zu eins Begleitung war. Schreib mir: "Hey, ich habe Brasilien-Waxing gemacht", also alle Haare weg und das hätte sie noch nie gemacht. Bis jetzt hätte sie immer nur so einfach getrimmt auf den Seiten, damit es mit Bikini Höschen schön aussieht, sauber aussieht. Schönheit ist auch eine ein dehnbarer Begriff. Und jetzt hat sie sich ganz spontan gesagt Mach alles weg und dann sei sie nach Hause gegangen und habt mal geschaut, was jetzt da zwischen ihren Beinen sei. Und dann habe sie realisiert, dass sie all die Jahre sich nie gewagt habt, die Haare wegzumachen, weil ihr Geschlechtsteil, ihre Vulva, sie so angeekelt hat. Sie hat einfach gedacht: Das kann ich ja niemandem zumuten. Wenn Haare da sind, dann muss mein Partner das nicht anschauen. Und jetzt hat sie das angeschaut und war angetan, was sie da entdeckt hat. Und das sind schon so Momente, wo ich denke: Wow, einfach eine Frau, die ihren Körper mehr gernhaben kann, mehr genießen kann.


Franzi: Absolut. Ach, das verstehe ich. Das ist der Moment, wo man so sagen kann: "Heute alles richtig gemacht. Ich bin genau im richtigen Job, genau da, wo es sein soll." Wie schön.


Ich feiere meine Arbeit. Ich liebe es. Was ich schon ganz speziell finde, sind diese Momente, wo eine Frau dann entweder in einem Gruppen-Setting oder auch im "Eins zu eins" oder dann irgendwie im Nachgang von etwas erzählt, wo sie die Einleitung bringt: "Hey, das habe ich noch nie jemandem erzählt..." oder "Ich habe etwas gemacht, das ich früher nie gemacht hätte."
 

8. Was wolltest du schon immer mal gefragt werden?


Franzi: Was habe ich vergessen? Gibt es noch irgendeine Frage, die du schon immer mal gefragt werden wolltest, Yvonne? Denn dann frage ich dich die jetzt noch.


Yvonne: Das ist schwierig, weil mir werden so viele Fragen gestellt. Und weil ich ja generell so ein bisschen als Tabubrecher auch unterwegs bin, getrauen sich die Leute oft auch ein bisschen tabuisierte Fragen zu stellen.

Was würde ich spannend finden? Die Frage: "Wie ist das eigentlich für deinen Partner, dass du eine solche Arbeit machst?"


Franzi: Ja, dann frage ich dich das jetzt: Yvonne, wie geht eigentlich für deinen Partner die Arbeit, die du hier so machst?


Yvonne: Genau. Eigentlich müsste er jetzt kommen und das beantworten. Es ist ein bisschen gemein, wenn ich das beantworte. Aber so wie ich es wahrnehme, hat das zwei Seiten. Aber ich glaube, alles hat ein bisschen zwei Seiten. Ich glaube, dass die eine Seite herausfordernd ist, weil ich mich sehr verändert habe durch die Ausbildung und jetzt durch das Arbeiten auf diesem Gebiet. Also ich glaube, man kann diese Arbeit wie ich nicht machen, wenn man nicht irgendwo auch Feministin wird, wenn man ein bisschen radikaler wird, wenn einem Gleichberechtigung ja auch immer wichtiger wird, weil man so merkt: Hey, in der Sexualität hat man uns Frauen schon auch sehr gleichberechtigt. Und ich glaube, das ist ja die Herausforderung, dass ich mit ganz, ganz vielen Themen komme, die mein Mann sich noch nie so überlegt hat.


Auch mehr fordere, mehr Grenzen setze, mehr Bedürfnisse kundtue und das andere aber dafür, was er kriegt und das spiegelt er mir schon auch zurück, dass er halt erlebt, wie ich mich selbst mit meinem Körper immer mehr versöhne.

Und selbst immer mehr Genuss und mehr Spaß an mir selbst, meinem Körper und durch das in der Sexualität entdecke. Und das ist natürlich dann für ihn auch so ein Benefit. Es lohnt sich.


Aber ich habe immer wieder Frauen, die sagen: Oh, wenn ich jetzt so mich alleine mit meine Sexualität beschäftige, wie ist das für meinen Mann? Und vielleicht wäre jetzt das so genau meine Antwort darauf.


Franzi: Dass man die andere Person immer schon so ein bisschen mitdenkt.


Yvonne: Absolut ja! Ich habe gelernt zu reden und das lernen die Frauen bei mir auch. Und das ist grundsätzlich immer eine Bereicherung. Wenn man über Sex lernt, reden zu können und das immer normaler wird, dann bereichert das jede Beziehung.


Franzi: Sehr schön. Ach, Yvonne, ich danke dir. Ich könnte dich noch eine Stunde länger Sachen fragen. Aber wir haben gesagt, wir halten es heute kompakt.

Und jetzt sage ich herzlich Danke und freue mich schon wieder von Dir zu lesen und von Dir zu hören und zu sehen auf Insta. Vielen Dank!


Yvonne: Danke. Vielen Dank, dass ich hier sein durfte.



 
 
Bild von Yvonne Schudel
"In dir liegt die Kraft..." sagt Yvonne.

About Yvonne


Yvonne Schudel ist Psychologin und Sexologin.

Sie hilft Frauen dabei, ein Leben zu leben, das du wirklich liebst. Ein Leben jenseits von Perfektionismus, Angepasst-Sein, Selbstzweifeln und Angst. Sie zeigt, wie jede mutig, authentisch und lustvoll leben kann und ein Leben schaffen, das sich einfach nur toll anfühlt.


Der Fokus aller ihrer Angebote ist es, dabei zu unterstützen, dass eigene Leben bewusst zu gestalten. Yvon ist überzeugt: egal wie groß deine Träume sind oder die Berge, die sich dir in den Weg stellen: "In dir liegt die Kraft, dein Leben so zu verändern, wie du es dir wünscht!”


 

Du findest alle Informationen und die Kontaktdaten von Yvonne hier:

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Website: Yvonne Schudel I Women Empowerment Coach & Sexologin

Facebook: Yvonne Schudel | Facebook

Instagram: Sexologin für Frauen I Sexocorporel

Youtube: Yvonne Schudel Life Coaching



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