• Franziska Blickle

Danke dafür, Corona! - 10 Dinge die ich gerade besonders zu schätzen weiß

Aktualisiert: Apr 22

Ich lese aktuell viele Beiträge, die sich damit beschäftigen, was denn "das Gute" an Corona ist, welche positiven Folgen es für Gesellschaft, Umwelt, Politik, Gesundheitswesen etc. hat, was wir gerade weltweit erleben.


Wer mich gut kennt weiß: Ich bin Optimistin! Immer! Sehr! Fast schon anstrengend positiv und sonnig im Gemüt. Frisch geputzte rosa Brille und so!


"Das Gute daran" für mich selbst zu suchen und vor allem zu finden, fällt mir dennoch gerade wirklich schwer, weil mir beim Nachdenken automatisch sehr schnell bewusst wird, dass jeder Vorteil, jedes "Gute daran" immer nur für eine sehr kleine Gruppe gilt, vielleicht nur für mich und viele andere absolut nichts "Gutes daran" herauskitzeln können...nicht mal mit drei rosa Brillen hintereinander.



Umso bewusster wird mir aktuell jedoch für wie viele Dinge ich - gerade jetzt - sehr dankbar sein darf!



1. Ich darf meine Tage gerade mit genau so vielen Personen verbringen wie ich gern möchte.


Es gibt Menschen, die sind gerade unfreiwillig ganz alleine - den ganzen Tag, jeden Tag. Das ist für viele vor allem auf Dauer anstrengend, einsam und birgt echten Leidensdruck - genauso wie nie alleine zu können, weil die ganze Familie aufeinander hängt und man keine einzige Minute für sich hat.

Ich habe das große Glück gerade mit genau so vielen Menschen zu verbringen, wie ich mir das aussuchen würde, nämlich einem. Und dafür bin ich sehr dankbar!



2. Ich bin körperlich fit und gesund.


Jetzt gerade verletzt oder krank zu sein, Einschränkungen bei Arzt- oder Therapie-Besuchen hinnehmen zu müssen, in langen Apothekenschlangen zu stehen, ohne Besuch im Krankenhaus zu sein oder sich um ein erhöhtes Infektionsrisiko berechtigte Sorgen zu machen - das stelle ich mir sehr belastend vor!

Umso dankbarer bin ich, abgesehen von einem Heuschnupfen-Kitzeln in der Nase, fit und gesund zu sein!



3. Ich habe ein unterstützendes Netzwerk.


Gerade wird mir sehr bewusst, dass ich Teil eines sehr unterstützenden Netzwerkes bin: Familie, Freunde, Bekannte Kolleg*innen - alle kümmern sich, helfen, muntern auf, teilen Informationen und Ressourcen, sind füreinander da! Danke!



4. Ich habe in meiner Familie niemanden um den ich mir wirkliche, ernsthafte Sorgen machen muss.


Natürlich mache ich mir Gedanken um meine Familie: Geht es allen gut? Wer ist alleine? Wer kann mit der Situation gut umgehen und wer braucht Hilfe? Was sind die besonderen Herausforderungen? Ich bin aber sehr dankbar, dass niemand dabei ist um den ich mir ernsthafte Sorgen machen muss, also nicht nur Gedanken, sondern schlimme, schlaflose Nächte bereitende Sorgen.



5. Ich habe keine akut bedrohlichen finanziellen Herausforderungen.


Natürlich ist eines der Themen, um das meine Gedanken oft kreisen mein Beruf, den ich gerade nur eingeschränkt ausüben kann, meine Selbständigkeit, die noch nicht auf jahrelang erbauten sicheren Füßen steht, das Verdienen meiner täglichen Brötchen und der monatlichen Miete. Alles gerade nicht unbedingt eitel Sonnenschein! Natürlich mache ich mir Gedanken (an guten Tagen) und Sorgen (an schlechten).

Und gleichzeitig bin ich dankbar, dass diese Sorgen nicht so akut und bedrohlich sind wie bei anderen, für deren berufliche Existenz jeder weitere Tag ohne Einnahmen das Aus, also die Insolvenz bedeuten kann. Dafür bin ich dankbar!



6. Ich habe Kunden mit denen der Kontakt auch in dieser Krisensituation wertschätzend und partnerschaftlich ist.


Weder meine Kunden noch ich können gerade etwas daran ändern, dass Trainings nicht oder nur virtuell stattfinden können. Ich bin sehr dankbar, dass mit all meinen Ansprechpartner*innen die Abstimmung und Kommunikation absolut partnerschaftlich, transparent und wertschätzend verläuft.

Ich kann spüren, dass es keinem egal ist und alle wollen, dass wir so schnell wie möglich gemeinsam weitermachen und für die Mitarbeiter*innen wieder Trainings ermöglichen können.



7. Ich kann mich mit anderen Trainer*innen austauschen, die in derselben Situation sind.


Es tut mir gerade sehr gut, mich mit Kolleg*innen auszutauschen, die in der gleichen Situation sind. Wir tauschen Tipps und Tricks aus, erzählen, was gut und was weniger gut funktioniert, hören einander zu, richten einander auf, entwickeln gemeinsam neue Ideen und Formate. Für dieses konstruktive und stützende berufliche Netzwerk mit meiner Peergroup bin ich sehr dankbar!



8. Ich habe Aufgaben, Weiterbildungsideen und Beschäftigung.


Seiner Aufgabe nicht nachgehen zu können, ein Beschäftigungsvakuum zu haben und dieses füllen zu müssen ist kein schönes Gefühl. Ich bin darum sehr dankbar, dass ich eine ganze Liste an Aufgaben und Tätigkeiten habe, die mir Spaß machen, nützlich oder notwendig sind und ich somit die frei gewordene Zeit füllen darf.

Ok, die Steuererklärung 2019 hat jetzt nicht den höchsten Unterhaltungswert, aber dann ist sie wenigstens erledigt...langweilig ist mir jedenfalls nicht und dafür bin ich gerade sehr dankbar.



9. Ich kann mir meine Zeit relativ frei einteilen und muss nicht um jeden Preis leisten, wenn ich gerade mal einen "Durchhänger" habe.


Ich glaube genauso anstrengend und belastend wie nichts zu tun zu haben, ist es gerade, die gleiche Höchstleistung erbringen zu müssen, nur in komplett anderen Umständen: voller Sorgen, mit kleinen Kindern, die "nebenbei" betreut werden müssen, mit finanziellen Problemen im Nacken...

Ich bin sehr dankbar, dass meine Selbständigkeit es mir erlaubt, den Laptop auch mal ein paar Stunden zugeklappt zu lassen, wenn ich einen Durchhänger habe. Ich bin dankbar, nicht "auf Knopfdruck" oder "nach Zeitplan" leisten zu müssen, sondern die Ebbe und Flut mit der meine Motivation oft kommt nutzen zu dürfen.



10. Ich lebe zu einer Zeit und in einem Land in der der technische Fortschritt mir viel ermöglicht, was zu einer anderen Zeit oder an einem anderen Ort undenkbar wäre.


Wenn ich daran denke um wie vieles beschwerlicher unser Alltag gerade wäre zu einer anderen Zeit oder in einem anderen Land, dann bin ich sehr dankbar im Hier (Deutschland) und im Jetzt (2020) zu leben.


Egal in welche Richtung ich denke...

...an die logistische Infrastruktur und die Möglichkeit Dinge zu kaufen und bestellen...

...die Mittel und Wege sich zu informieren, sich auszutauschen, in Kontakt zu bleiben...

...die hygienische Rahmenbedingungen zu Hause und auch in der Öffentlichkeit...

...die politische Lage...

...die Möglichkeiten sich zu beschäftigen und unterhalten, Filme und Musik zu konsumieren, Live-Konzerte im Wohnzimmer zu sehen oder virtuell mit den Stammgästen der Lieblingskneipe Bingo zu spielen...

...die Möglichkeiten auch von zu Hause zu arbeiten...


Immer wird mir bei diesen Gedanken bewusst, dass ich sehr dankbar bin für das Hier und das Jetzt, in dem ich diese Pandemie aktuell erlebe.


Franziska Blickle: 

Trainerin für Kommunikation, Leadership und Selbstmanagement, in Berlin daheim und europaweit unterwegs

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